{"id":512,"date":"2026-08-29T21:06:28","date_gmt":"2026-08-29T21:06:28","guid":{"rendered":"https:\/\/humanitas4all.de\/?page_id=512"},"modified":"2026-09-04T07:01:19","modified_gmt":"2026-09-04T07:01:19","slug":"zum-begriff-menschenwuerde","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/humanitas4all.de\/?page_id=512","title":{"rendered":"Zum Begriff \u201eMenschenw\u00fcrde\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Menschen haben sich im Laufe ihrer (aufgezeichneten) Geschichte immer wieder in Kriegen gegenseitig get\u00f6tet und auch anders gequ\u00e4lt. Wenn wir an den Holocaust mit den ca. 6 Mio. ermordeten Juden oder an den V\u00f6lkermord in Ruanda 1994 mit ca. 800.000 Toten denken, dann k\u00f6nnen wir das entstandene Leid, die Angst und den daraus entstandenen Hass, die sowohl im Vorfeld wie auch w\u00e4hrend der Progrome und dann auch in der Folge noch jahre- oder sogar jahrzehntelang in der jeweiligen Region wirkten, kaum ermessen. Und das sind ja \u201enur\u201c zwei besonders krasse und Beispiele f\u00fcr Aggressionsbereitschaft, Frustration und tiefe Trauer, die auch andernorts (weitere Beispiele: Kambodscha oder Vietnam) zwischen vielen Menschen in sehr vielen L\u00e4ndern auf dem Planeten im Alltag und meist \u00fcber l\u00e4ngere Zeit hinweg entstanden sind, offenbar auch immer wieder entstehen (neuestes Beispiel: Sudan) und die dann sehr oft so furchtbare, oft traumatische Folgen hatten bzw. haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re gewiss eine Illusion, zu glauben, dass solcherlei Geschehen \u00fcberall und ein f\u00fcr allemal mittels Lernen aus der Geschichte vorbei sein k\u00f6nnte. So einfach ist es offenbar nicht, denn die beteiligten Emotionen sind und waren schon immer nur durch genaue (Selbst-)Beobachtung und festen Entschluss neutralisierbar \u2026.Nein, ich \u00fcbertreibe nicht und es n\u00fctzt auch \u00fcberhaupt nichts, die Geschichte zu leugnen oder sich auf \u201eschlimme Zeiten\u201c oder auf das eigene allt\u00e4gliche Leid argumentativ zur\u00fcckzuziehen: Vielmehr sollten wir hinsehen und zugeben: dass wir alle \u201eMenschenhasser\u201c werden k\u00f6nnen, wenn die entsprechenden Umst\u00e4nde und Vorbedingungen vorhanden sind und wir uns selbst nicht sorgf\u00e4ltig beobachten, sondern einfach den Emotionen bzw. den entsprechenden Einfl\u00fcsterungen folgen, wie man auch hier und heute am vielfach von reiner Wut bestimmten Wahlverhalten in Deutschland erkennen kann!<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits nennen wir uns &#8211; im deutschen Sprachraum &#8211; \u201eMenschen\u201c und das Wort ist nicht nur eine biologische Art-Bezeichnung ohne weitere Bedeutung, sondern eigentlich ein Programm: denn \u201eMensch\u201c kommt von lat. \u201emens\u201c = Verstand und damit ist gemeint, dass wir verstehen wollen oder doch verstehen sollten, was in uns und mit uns geschieht \u2013 zumindest solange wir bewusst und wach sind. Umfang und Tiefe dieses Verstehen-wollens haben wir zwar prinzipiell allen anderen Lebewesen auf dem Planeten voraus, aber aus solchen besonderen F\u00e4higkeiten resultieren neben Chancen doch eigentlich auch immer Verpflichtungen. Also &#8230; aus meiner Sicht folgt daraus die Aufgabe der Menschen, sich selbst, die eigenen Absichten, das eigene Tun und nat\u00fcrlich dessen Auswirkungen bzw. Folgen zu beobachten, zu verstehen und dann \u2026 zu kontrollieren. \u00dcbrigens ist diese bewusste Kontrolle offensichtlich in besonderer Weise an den Gebrauch von Sprache und deren logischer Analyse gekoppelt und wird wesentlich von der F\u00e4higkeit erg\u00e4nzt, Konzepte als solche, und darin Irrt\u00fcmer und Fehlentwicklungen tats\u00e4chlich zu identifizieren und zu korrigieren. Diese F\u00e4higkeit ist sehr erw\u00e4hnenswert und als solche wesentlicher Teil besonderer menschlicher Begabung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft auch, dass erst die vollzogene Kontrolle und Bewertung in Bezug auf das Finden und die Einordnung ethischer (auf das Zusammenleben bezogener) Grundwerte uns eigentlich zu Menschen im ganzen Sinn des Wortes \u201eMensch\u201c macht, jede(n) von uns, unabh\u00e4ngig von Nationalit\u00e4t, Hautfarbe, Alter, pers\u00f6nlicher Lebenserfahrung und nat\u00fcrlich auch unabh\u00e4ngig von sozialer Stellung, Eigentum (Reichtum) und pers\u00f6nlicher Macht, weil diese grundlegende F\u00e4higkeit zur Bewusstwerdung unabh\u00e4ngig von all diesen Eigenschaften und Lebensaspekten ist \u2013 und bleibt. Selbst dort, wo sie gerade nicht genutzt wurde, weil die beteiligten Menschen in Irrt\u00fcmern oder pers\u00f6nlichen Verletzungen befangen waren, bleibt sie immer wesentlicher (Teil des menschlichen Wesens) und verleiht der ganzen biologischen Art eine besondere, durch nichts Anderes bedingte W\u00fcrde (einen besonderen Wert).<\/p>\n\n\n\n<p>Um zu verstehen, welchen enormen Unterschied die F\u00e4higkeit zur bewussten Analyse und Kontrolle bzw. Korrektur der eigenen (und fremden) Pl\u00e4ne und Handlungen macht, muss man sich einerseits nur ansehen, wohin unkontrollierte, vor allem emotional motivierte, impulsive Entscheidungen und Handlungen in jeder sozialen Struktur (Familie, Arbeitsumfeld, Wohnort\/Gemeinde, Staat) die jeweils beteiligten Menschen schon gef\u00fchrt haben und wie schwierig es oft war, die Folgen vieler fataler Entscheidungen und Handlungen und der daraus folgenden Entwicklungen aufzuarbeiten \u2026 und andererseits wie Anerkennung und Umsetzung ethischer Einsichten und Richtlinien auch schwierige Konflikte gel\u00f6st und weitere, wom\u00f6glich eskalierende Konflikte verhindert haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber dieser grundlegenden F\u00e4higkeit verdanken wir auch die ganze Entwicklung von Kultur und Technik(en). Ohne sie k\u00f6nnten wir nie unsere Ideen und Beobachtungen bis zur &#8222;Praxisreife&#8220; immer wieder mit neuen Elementen versehen, von verschiedenen Seiten anschauen und immer wieder weiter entwickeln und korrigieren. Auch das alles verdanken wir dem &#8222;Verstehen&#8220;!<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses allgemein menschliche Potential existiert in <strong>jedem<\/strong> Menschen und es ist nicht an seine \u00e4u\u00dfere Erscheinung, auch nicht an seine Pers\u00f6nlichkeit und Individualit\u00e4t gebunden, sondern ist in seinem artspezifischen Genom bzw. Eigenschaftskomplex zu suchen und das hei\u00dft, dass bereits das blo\u00dfe (mehr oder weniger) bewusste Mensch-Sein wertvoll ist. Genau dies bezeichnet man als \u201eMenschenw\u00fcrde\u201c (Wert des Menschseins), die in diesem Rahmen dann als bedingungslos zu verstehen ist und deshalb auch Menschen mit allen Arten von Verletzungen und Behinderungen einschlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun kann man allerdings auch in der j\u00fcngsten Geschichte (WK2 bis heute) reichlich Beispiele daf\u00fcr finden, dass Menschen anderen Menschen \u2013 z.B. bei abweichenden politischen Einstellungen \u2013 die Anerkennung eben dieser W\u00fcrde verweigert haben. Und wenn man sich die Eskalationen der Konflikte auf dem Planeten in den letzten 150 Jahren anschaut, dann spielt eben diese Verweigerung vor allem als Initialz\u00fcndung, aber dann auch als \u201eFutter f\u00fcr die Flammen\u201c in praktisch allen gr\u00f6\u00dferen Konflikten eine entscheidende Rolle. Die Gegner werden nicht mehr als gleichwertige Partner, mit denen man die Konfliktpunkte kl\u00e4ren k\u00f6nnte und verhandeln m\u00fcsste, sondern als Wesen gesehen und behandelt, die ihrerseits wegen ihrer abweichenden Meinungen keine W\u00fcrde (d.h. keinen Wert) haben und deshalb beliebig verleumdet und gedem\u00fctigt und schlie\u00dflich sogar get\u00f6tet werden d\u00fcrfen\/sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass jeder, der so denkt, so argumentiert und schlie\u00dflich auch so handelt, sich damit auf einer sehr grundlegenden Ebene eigentlich selbst aus der Gemeinschaft der verstehenden Wesen ausschlie\u00dft, ist den so entscheidenden und handelnden Individuen oft nicht oder nicht hinreichend bewusst und ebenso tragisch wie unsinnig, insbesondere, wenn er sich selbst durch pers\u00f6nliche (z.B. politische) Macht gesch\u00fctzt f\u00fchlt und sich deshalb f\u00fcr sakrosankt h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber diese Ich-zentrierte Haltung ist tats\u00e4chlich ein tragischer Irrtum, denn die Geschichte der Menschheit zeigt eindeutig, dass das Bewusstsein der richtig verstandenen  Menschenw\u00fcrde immer mit dem freiwilligen Verzicht auf pers\u00f6nliche Machtaus\u00fcbung und der wesentlichen Bereitschaft zu verzeihen einhergeht und dass immer, wenn jemand verachtungsvoll die Menschenw\u00fcrde anderer Menschen in Zweifel zog oder ihnen dieselbe sogar ganz absprach, dies stets der Beginn eines gro\u00dfen Unheils in dem Wirkungsumfeld <strong>aller<\/strong> Beteiligten war! (Diese Wahrheit wurde durch die Jahrhunderte von den M\u00e4chtigen oft geleugnet und verlacht, aber sie hat endloses Leid erzeugt und gilt auch weiterhin und in besonders krasser Weise f\u00fcr alle Arten von menschenverachtender &#8211; auch sexueller &#8211; Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung!)<\/p>\n\n\n\n<p>Als Beispiel : weshalb gibt es denn keinen Frieden im Nahen Osten? Weil viele Menschen (und nicht nur) dort mehr oder weniger bewusst immer wieder nach Blut und Rache schreien \u2013 auf beiden Seiten. Sie weigern sich, den Wert menschlichen Lebens bei der jeweiligen \u201eGegen-Seite\u201c anzuerkennen und wollen nicht akzeptieren, dass aller Hass \u2013 letztlich immer auf beiden \u201eSeiten\u201c &#8211; ein tragischer Irrtum ist, jedenfalls in Bezug auf ihr zwischenmenschliches Potential. Wenn Israels \u201eSicherheits\u201c-Minister Itamar Ben-Gvir dazu aufruft, jede Nacht Palestinenser zu t\u00f6ten, so scheint er sich dessen nicht bewusst zu sein, dass sein Aufruf zur Gewalt sich im Grunde nicht von den Progrom-Aufrufen der Nazis unterscheidet, die schlie\u00dflich die Kristallnacht und den Holocaust zur Folge hatten. Wobei letztlich nicht entscheidend ist, wer da ruft, sondern was &#8211; immer auf beiden Seiten &#8211; gedacht und gesagt wird und was schlie\u00dflich jeweils daraus folgt \u2013 und zwar nicht nur f\u00fcr die Opfer, sondern auch f\u00fcr die T\u00e4ter &#8211; und doch wollen die meist einfach nicht verstehen, was sie tun. Dasselbe gilt auch f\u00fcr alle Gruppen, die sich anderswo auf dem Erdball in t\u00f6dliche Konflikte verrannt haben. Sie glauben, sich selbst, ihrer Selbstachtung und damit ihren eigenen wie den Interessen ihres Landes zu dienen, aber werfen &#8211; wie blind f\u00fcr die \u00fcberragende Bedeutung der Menschenw\u00fcrde &#8211; mit der Negation der \u201efremden\u201c, zugleich ihre eigene mit fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Aussage ist nicht als Beschimpfung gemeint, sondern soll nur (wieder) ins Bewusst-sein holen, dass es im Grunde nur eine Menschenw\u00fcrde gibt. Wo sie wirklich bewusst wird, wird auch ihre Unteilbarkeit sowohl im Krieg wie im Frieden offensichtlich, denn dann wirkt sie auf einer Ebene, die <strong>alle<\/strong> beteiligten Menschen ohne Unterschied der Nationalit\u00e4t, des Alters, des Besitzes etc. und eigentlich auch von Zeit und Raum einschlie\u00dft \u2013 weil sie in Wahrheit zur \u201eGrundausstattung\u201c <strong>jedes<\/strong> menschlichen Individuums geh\u00f6rt. Aber man kann sich so verhalten, als ob sie f\u00fcr die jeweiligen Gegner nicht gelten d\u00fcrfe \u2026 und dann sch\u00fctzt sie auch die eigene Erfahrungswelt nicht mehr vor der aus dem Hass und aus dem Missverst\u00e4ndnis erwachsenden Schuld und dem damit verbundenem Elend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Menschen haben sich im Laufe ihrer (aufgezeichneten) Geschichte immer wieder in Kriegen gegenseitig get\u00f6tet und auch anders gequ\u00e4lt. Wenn wir an den Holocaust mit den ca. 6 Mio. ermordeten Juden oder an den V\u00f6lkermord in Ruanda 1994 mit ca. 800.000 Toten denken, dann k\u00f6nnen wir das entstandene Leid, die Angst und den daraus entstandenen Hass, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/humanitas4all.de\/?page_id=512\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eZum Begriff \u201eMenschenw\u00fcrde\u201c\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":203,"menu_order":11,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-512","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/humanitas4all.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/512","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/humanitas4all.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/humanitas4all.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/humanitas4all.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/humanitas4all.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=512"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/humanitas4all.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/512\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":524,"href":"https:\/\/humanitas4all.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/512\/revisions\/524"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/humanitas4all.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/203"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/humanitas4all.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}