sind alle Empfindungen und Emotionen, die uns das Leben innen „zur Hölle machen“: Wut, Ärger, Gier, Neid und Eifersucht und endlose Trauer, aber auch Angst und Hass sind ihre Namen und sie wirken tatsächlich als innere Feinde.
Der (negative) Unterschied in der Lebensqualität, falls auch nur einer von ihnen das Innenleben beherrscht, ist tatsächlich enorm, auch wenn sie alle die Illusion erzeugen können, dem sei nicht so. Meist behaupten sie, Protagonisten der „persönlichen Souveränität“ zu sein, und doch sind sie – bei genauerem Hinsehen – deren Zerstörer. Denn sie reißen Löcher in die echte Gelassenheit bis hin zur schmerzlichen Zerstörung der Körpergesundheit und sind tatsächlich allesamt erklärte Feinde geduldiger Liebe und ruhiger Klarheit. Ich will im Folgenden versuchen, ihre wesentlichsten Eigenschaften kurz einzeln zu charakterisieren – damit man sie demaskieren und sich von ihnen auf gute und klare Weise fernhalten kann:
Über die Wut
Wut ist totaler oder doch sehr weitgehender Kontrollverlust bei irgendeiner (subjektiv) wichtigen Sache/Angelegenheit. Dieser Verlust ist eigentlich zugleich Ursache und Folge des Disasters – und das rote Wesen der Wut. Man will einfach zerstören, was als so (zer-)störend wahrgenommen wurde. Die Wut tut so, als gäbe es keine Hoffnung mehr und deshalb äußert sie sich dann in innerer und äußerer Zerstörungssehnsucht. Da fliegen wirklich die Fetzen…. Was der Wut in den Weg gerät, das wird entsprechend rücksichtslos attackiert. Aber wie kann man damit (richtig) umgehen?
Die Wut kann man „in den Griff bekommen“, indem man wieder beginnt, ruhig(er) zu atmen.
Einatmen – „Heilentspannung“ – ausatmen – „Tiefentspannung“ …. 21 mal hintereinander.
Das reicht oft schon, um sich immerhin aus ihr soweit „herauszuholen“, dass man sich den sachbezogenen Kern des Ärgers wieder bewusst machen und den Bereich der heftigsten Zerstörungssehnsucht verlassen kann.
Über den Ärger
Und mit dem Ärger kann man arbeiten. Er hat in aller Regel durchaus handfeste Gründe, die man aber meist nur ganz richtig versteht, wenn man sie sachgerecht, also von allen Seiten und sorgfältig untersucht. Nur dann hat man (immerhin oft) die Chance, den Ärger fruchtbar zu machen und aus ihm tatsächlich hilfreiche Lösungsansätze zu destillieren. Doch ohne ehrlich vor sich selbst (und eventuell anderen Beteiligten) zu klären …. : „Was genau ist, in welchem Kontext und weshalb so schief gegangen?“ wird das kaum funktionieren…
Eine andere, nicht zu unterschätzende Gefahr mit dem Ärger ist, dass man trotz einer ernst gemeinten Problemanalyse das Kind mit dem Bade ausschüttet, d.h. die Lösung übersieht – bzw. zu schnell verwirft und die Ursache dafür ist meistens, dass man den Ärger nicht auf die Sachfrage eingrenzen konnte, die ihm in Wahrheit zugrunde lag – sondern Emotion!, Emotion die Oberhand behält.
Eine echte Lösung setzt aber voraus, dass man die Analyse eben so lange fortsetzt bis der sachliche Kern des vorliegenden Problems tatsächlich erkannt ist – und einer Lösung zugeführt werden kann. Und dabei wird auch deutlich werden, dass vor allem die verschiedenen Arten von sachbezogenen Verlusten bzw. Misserfolgen zum Ärger führten. Wenn man aber weiter fragt, weshalb die Misserfolge und Verluste nicht einfach kühl analysiert und in erfolgreiche und befriedigende Lösungs-Handlungen transformiert werden konnten, dann wird (manchmal) die generalisierte, stark ins Negative abgerutschte Erlebnis-Interpretation erkennbar, die der Kern des Ärgers ist. Das ist eine Frage des aufmerksamen „hinschauens“.
Über die Gier
Verluste und Misserfolge sind jedoch natürliche Teile bzw. Aspekte des Lebens. Immer nur Erfolge und Gewinne zu erleben, führt direkt in die gefährliche Illusion, das Leben könne und solle nur aus Gewinn und Erfolg bestehen und man könne ohne Verluste und Misserfolge den Sinn des Lebens erkennen und die richtige Haltung, nämlich Gelassenheit in allen Lebenslagen, entwickeln.
Wer Verluste und Misserfolge nicht akzeptieren kann, gerät (meist noch bevor sich der „zugehörige“ Ärger manifestiert) in den Griff der Gier oder befindet sich schon in ihren Fängen : man kann nicht mehr innehalten, verliert den inneren Ruhepol und wird rastlos. Die Gier ist wie ein schrecklicher und unstillbarer Hunger, alles verschlingend, nie gesättigt … und das kann dann ebenso materielle wie immaterielle Güter und Erlebnisse betreffen. Welche fatalen Folgen die Gier in einem größeren Bezugsrahmen hat, können wir leicht am Klimawandel und seinen Ursachen ablesen. Menschliche Gier steht ganz offensichtlich dahinter und hat sich so zu einem der tatsächlich tückischsten Feinde der Menschheit entwickelt: ein erklärter Feind der Großzügigkeit und Gelassenheit der Liebe.
Über den Neid
Einer der wichtigsten Einstiegs“punkt“e in die Gier ist der über jede Grenze gewachsene Neid auf Erfolge (und/oder Besitztümer) anderer Menschen….. Und dahinter steht erkennbar die Ideologie: „Mehr Besitz/äußerer Erfolg macht mich zu einem besseren/beliebteren Menschen!“ Diese Idee ist natürlich ein großer Unsinn, aber trotzdem weit verbreitet und übrigens der Grund für sehr viele soziale Konflikte.
Wir wissen in aller Regel nicht – oder doch nicht genau und umfassend, was dem Glück und Erfolg anderer Menschen wirklich zugrunde liegt, aber wir beobachten, untersuchen und verdächtigen dann manche Aspekte und Umstände und so kommt der Neid zu uns und flüstert von ungerechter Bevorzugung und unverhältnismäßigem Glück und sofort …. wollen wir das gleiche Glück, denselben Besitz oder dieselbe Macht genießen – ohne jedoch dieselben Voraussetzungen zu bieten. Und ist das Schicksal nicht willig, dann drohen wir schnell damit, unser Herz zu verschließen.
Man sollte da sehr genau hinschauen: ist es wirklich Neid? Dessen „Wahrheit“ ist die Angst, (vom Schicksal) ungerecht behandelt worden zu sein. Und dies Mäntelchen der „Ungerechtigkeit“ hängt er sich dann auch allzu gerne als „blütenreine Legitimation“ um. Es gibt aber ein sehr zuverlässiges Kriterium, wie sich Neid und wahre Ungerechtigkeit sauber von einander trennen lassen: Wenn ein Widerwille gegen die scheinbar oder wirklich bevorzugte Person oder Gruppe zu spüren ist, dann ist meist Neid im Spiel. „Ich mag mit dieser Person (resp. mit diesem Kreis vom Mitmenschen) lieber keinen Kontakt (mehr) haben!“ – zeigt, dass man den Bereich zwischenmenschlicher Liebe wegen „ungerechter“ Bevorzugung Anderer verlassen will – anstatt sich am Glück der Mitmenschen zu freuen. Diese Freude relativiert ganz natürlich und still das „Ungerechtigkeits-Gefühl“. Wo aber der Neid wirkt, wird kaum jemand diese tief empfundene Ablehnung (auch nicht vor sich selbst) zugeben, doch wo sie auch nur ansatzweise und untergründig spürbar ist, da ist also offenbar Neid im Spiel. Denn der Neid erlebt sich immer als allein und verarmt, auch falls das objektiv keineswegs zutrifft.
Über die Eifersucht
„Die Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft!“ – sagte meine Mutter zuweilen – und sie hatte damit sicher recht. Denn Eifersucht lässt uns keine Ruhe, lässt uns nicht schlafen, zerstört das Lachen und den Humor. Eifersucht ist deutlich weniger sachbezogen als der Neid, aber dafür umso kraftvoller auf Zuwendung und Freundschaft zwischen den Menschen gerichtet. Insbesondere Liebe und/oder gegenseitige Anerkennung in der sozialen Umgebung sind dem Eifersüchtigen unerträglich, hauptsächlich, weil er sich selbst als ausgeschlossen und/oder weniger wertgeschätzt erlebt. Dabei ist unerheblich, ob er tatsächlich ausgeschlossen oder kritisiert wurde, Das wahre Problem ist ein schrecklicher Mangel an gesundem Selbstbewusstsein. Aber ohne gesundes Selbstbewusstsein kann man den damit verbundenen inneren Ruhepol nicht mehr halten bzw. erleben und wird unsicher und hektisch. Klar, dass das die Anderen spüren und entsprechend ablehnend reagieren, was dann als sich selbst bestätigende „Prophezeiung“ wirkt….
Ein Mensch im Griff der Eifersucht ist deshalb dauernd unglücklich und sehr weitgehend oder sogar total abhängig von fremder Zuwendung. Die Lösung dieser Art von Problem ist im Grunde ebenso einfach wie beim Neid und kann in der praktischen Umsetzung trotzdem als enorm schwierig erlebt werden: aktiv und ohne Angst Liebe und Großzügigkeit investieren, ohne Lohn und/oder Bestätigung zu erwarten. Aber gerade das fällt beiden richtig schwer, dem Neidischen und dem Eifersüchtigen.
Welch eine innere Hölle! Und man kann ihr nur entkommen, indem man wieder ganz zu sich selbst, zu dem eigenen liebevollen Kern und seiner wahren Gelassenheit zurück findet. Zu diesem Ziel gibt es mehrere Wege, aber heitere Großzügigkeit ist sicherlich eine der wichtigsten Komponenten.
Über unmäßige Trauer
Und wenn man untersucht, wie das ganze Elend angefangen hat, dann stellt sich oft heraus, dass unverarbeitete Trauer über schwer erträgliche Verluste zugrunde lag. Auch wurde diese Trauer überdies viel zu persönlich genommen. Man hat erlaubt, dass sie einem die Kehle zuschnürt und der Welt das Licht nimmt. Nichts ist mehr, wie es war. Frohsinn und Humor sind „Fremdwörter“ geworden, die mit dem eigenen Erleben nichts (mehr) zu tun haben. Dass diese Schöpfung als grandiose Freude und witzige Ideenvielfalt, durchzogen von unglaublicher Dramatik, aber auch wahrer Größe und Güte erlebt werden kann, all dies ist einfach in den Tränen ersoffen und im Frust erstickt. Und wie bei allen negativen Fixierungen steht dahinter die Angst: eine Enge im Denken und Empfinden, die Lösungen verhindert und echte Auswege verschließt. Dabei müsste man sich nur drüber im klaren sein, dass man nicht ein Blatt im Herbstwind, sondern im Kern ein selbstleuchtender Teil Gottes ist.
Wenn man all die erwähnten negativen Empfindungen auf Gemeinsamkeiten untersucht, kann man leicht erkennen, dass in ihnen allen etwas spürbar wird, das letztlich als Angst, wenn auch in unterschiedlicher Gestalt, verstanden werden kann. Da ist wenig offene und begeisterte Lebensfreude und der damit verbundene Lebensmut spürbar. Dieser gemeinsame Hintergrund aller inneren Feinde ist wesentlich und zeigt zugleich eine Möglichkeit auf, unabhängig von der einzelnen Empfindung, eine (allgemeinere) Lösungsstrategie zu wählen : „mutig zu Liebe und Freude zurückkehren“, wo immer möglich…
Und das wäre dann keine oberflächliche „Patent-Lösung“, falls man wirklich verstanden hat, in welche Art von Krankheit man gerutscht ist und wie die Medizin wirkt bzw. wirken könnte. Wie das im einzelnen Fall verwirklicht werden kann, hängt natürlich von der individuellen Lebenssituation, von den Vorerfahrungen, vom Charakter und der eigenen Entschlossenheit ab : doch allein schon der Gedanke an Schönheit und Weite, an die Liebe in der und zur ganzen Schöpfung demaskiert die inneren Feinde und lässt nicht zu, dass man hilflos in Hass bzw. Selbsthass versinkt.
