Natürlich gibt es Unterschiede in der Wahrnehmung, bei den Problemlösungsstrategien und den Lebenserfahrungen bei den verschiedenen Menschen. Alle drei Aspekte spielen bei jeder Krisenbewältigung eine wesentliche Rolle.
Aber bei ungelösten Problemen sollte man sich nicht in diese Unterschiede verrennen – ist doch eigentlich klar, dass das alles nur verschlimmern würde – oder? Sondern man sollte die anstehenden Probleme wirklich lösen wollen! Das ist – und bleibt – der entscheidende Punkt, doch das Bewusstsein davon geht trotzdem in sehr vielen Fällen – schwubbs – im „Eifer des (meist erst mal noch sachbezogenen) Gefechts“ plötzlich verloren. Da reicht oft schon ein etwas missratenes Argument – egal auf welcher Seite. Doch die beteiligten Menschen bemerken die Gefahr kaum oder gar nicht, denn sie kämpfen ja für ihre eigene Sicht auf eine gerechte und richtige Problemlösung – und nun scheint der Sieg (- holla!) oder die Niederlage (– au weia!) nahe. Und mit dieser Empfindung bzw. Wertung hat der entscheidende Vertrauensverlust meistens schon stattgefunden und der wachsende Zorn, der alsbald ein beiderseitiger Zorn wird, hat Ruhe bzw. Gelassenheit und Liebe, die die wahren problemlösenden Kräfte sind, schon verdrängt.
Also, ich habe doch recht !!! Jawohl !! Oder – auf der anderen Seite – meine Sache scheint verloren – schrecklich! Zuerst speist man die eigene Energie in die sachbezogene Argumentation und dann in Lautstärke bzw. Nachdrücklichkeit und wenn das alles nicht geholfen hat, schließlich oft in kleine und dann wachsende Gemeinheiten. Uups. Natürlich nur, um zu zeigen, dass man wirklich hinter der eigenen Argumentation steht, die man selbst richtig doll ernst meint und natürlich will, dass sie auch vom Diskurspartner entsprechend ernst genommen wird … aber da sind dann auch oft schon die ersten Fetzen geflogen.
Also sind viel zu oft ab diesem Punkt die wirklich sachbezogenen Argumentationen und alle liebevollen Lösungen vom Tisch: einfach aus Mangel an gegenseitiger Achtung und den dazu gehörigen offenen Ohren … sang- und klanglos gestorben, nix mehr Online – nur noch Ego-line!
Doch dann haben in Wahrheit beide Seiten weder sich selbst noch sich gegenseitig richtig verstanden! Denn zum korrekten Verstehen ist unverzichtbar, sich selbst (‚Was hab’ ich da eben gesagt?‘) und gegenseitig (‚Was will die/der Andere mir wirklich mitteilen?‘) wirklich zuzuhören und das Gehörte sorgsam abzuwägen und nur, wo tatsächlich sachliche Mängel in der jeweiligen Argumentation aufgefallen sind, diese immer vorsichtig und alle Beteiligten deutlich wertschätzend (also auch sich selbst gegenüber) anzusprechen und richtigzustellen – und dann sofort wieder mehr zuzuhören und noch mehr zuzuhören. Denn erfahrungsgemäß verschwindet nur so bei allen Beteiligten die Angst, nicht gehört, missverstanden oder einfach weggebügelt worden zu sein.
Falls also nicht allseits ganz klar ist, dass auf dem geduldigen und freundlichen Selbst- und Fremd-Verständnis das ganze Vertrauen in der Beziehung ruht, haben beide Seiten schlechte Karten. Denn der Vertrauensverlust ist dann ganz schnell auf beiden Seiten der wahre Grund für alle Ungeduld, alle Verurteilungen und schließlich auch für alle emotionalen Katastrophen, die übrigens meistens eigentlich unnötig sind, denn i.d.R. haben beide „Seiten“ in irgendwelchen Aspekten und Hinsichten des jeweiligen „Problems“ recht oder sehen etwas richtig – und man bräuchte sich hierüber nur wirklich ruhig und klar zu verständigen. Dann wären oft/meist die notwendigen Korrekturen bzw. Kompromisse für alle Beteiligten relativ leicht zu erreichen.
Deshalb heißt also die Regel für echte Konfliktlösungen immer: (beiderseits) 50% ergebnisoffenes zuhören, weitere 20% abwägen der „fremden“ Argumente und nochmals 20% möglichst objektives Untersuchen der eigenen gewaltfreien Argumente, ja und die restlichen 10% sind stille Geduld. Und manchmal sind dann sogar bis zur vollständigen Lösung des Problems weitere 7 mal 100% stille Geduld notwendig. Naja, eben Liebe – einfache Menschenliebe, besonders dort, wo anders gedacht und vielleicht sogar ganz unverständlich gehandelt wird. Denn Fremd- und Eigenverurteilungen, innere Abwendungen und natürlich erst recht alle Formen von (auch von Selbst-)Hass sind immer kontraproduktiv bezüglich jeder zwischenmenschlichen Problemlösung. Und nur falls diese Wahrheit beachtet wird, können (meist langsam) echte und nachhaltige Lösungen – wie Blumen aus der Erde wachsen!
