Ursprünglich manas (sanskrit) = geistige Unterscheidungskraft, wird viele Jahrhunderte später und in einer anderen Kultur (römisch) zu mens (lat.) = Verständnis, Geist
Und im Deutschen machen wir daraus (u.a. und bemerkenswerterweise):
Mens(ch) lich(+t) (-k)heit = heiteres Licht des Geistes ….im Verstehen….
→ Worte als (aus „Sprachwurzelatomen“ zusammengesetzte) Bewusstwerdungshilfe
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Der uralten Frage ……Gott ist Liebe!“ – wieso gibt es „Das Böse“?
kann man sich vielleicht tatsächlich nur nähern, wenn man die Schöpfung als Gesamtheit sieht – oder doch zu sehen versucht….
Die moderne astrophysikalische Forschung legt die These nahe, dass die ganze Schöpfung mit dem „Urknall“ aus dem (scheinbarem?) „Nichts“, aus bloßem Potential – resp.- aus bloßer (quantenphysikalischer) Bedeutung, entstanden ist– also auch die ganze Raumzeit, alle Teilchen, alle Materie, alle Welten … und daraus folgend auch alles Leben. Außerdem folgt aus diesem „Anfang“ eigentlich, dass – irgendwann – auch ein ebenso naturgesetzliches Ende folgen muss. Dieser Zusammenhang ist – aus unserer Sicht – zumindest naheliegend.
Falls es aber diese ursprünglich ungetrennte „Vor-Urknall-Gesamtheit“ gab, dann können die folgenden Unterschiede doch wohl nur möglich geworden sein durch Trennung in die verschiedenen Aspekte. Da haben sich dann unterschiedliche „Bedeutungseinheiten“ (Elemente, Sonnen, Planeten, Landschaften und Lebewesen etc.) entwickelt. Dies Prinzip der Trennung könnte dann auch nicht nur für die materiellen Teile der Schöpfung, sondern auch für deren immaterielle Teile (Gefühle, Gedanken, Ideen) gegolten haben. … Und möglicherweise ist so auch die äußere und innere Welt der Menschen entstanden.
Und weil die Ideen und ihre Substrate in unserer Wahrnehmung sowohl räumlich wie zeitlich getrennt und „auseinandergezogen“ sind, aber (vielleicht) alle aus einer gemeinsamen Quelle stammen, könnte man diese Trennungs-Vorgänge als Prozesse auffassen, die man Symmetriebrüche nennt. Mit Hilfe dieses Begriffes erscheint mir unsere Welt und unser Erleben in ihr – wesentlich verständlicher. Die bloße Menge der entstandenen und weiter beteiligten „Seinsfaktoren“ ist schon verwirrend genug – aber ohne den ordnenden und klärenden Begriff des Symmetriebruches wären wir m.M.n. den überall spürbaren Widersprüchen der Welt doch noch weit hilfloser ausgeliefert.
Im Rigveda gibt es eine Strophe, die den Ursprung dieses Prozesses aus der Sicht der Gottheit zusammenfasst:
„Ich war einer, aber ich habe mich in viele geteilt – um mich selbst lieben zu können!“
Die ursprünglich einheitliche Grundlage der Welt zeigt nicht nur räumliche und strukturelle bzw. qualitative, sondern auch zeitliche „Auseinanderziehungen“ (s. „Raum-Zeit“), d.h. es gibt nicht nur „das aufbauende Gute“ und symmetrisch dazu „das zerstörerische Böse“ als räumliche Strukturen und Entitäten, sondern auch „gute“ und „schlimme“ Zeiten und vielleicht sogar „lebensfreundliche“ und „zerstörerische“ Zeitalter? Mittels dieser Sichtweise könnte man also auch das Konzept der „Yugas“ der altindischen Welterklärung verstehen.
Das ist die eine Seite der Angelegenheit.
Die andere Seite ist die göttliche Liebe, die wir so oft und grundlegend missverstanden haben, weil wir immer nur „das aufbauende Gute“, d.h. Reichtum und Genuss erleben woll(t)en. Aber Liebe – und vor allem göttliche Liebe und menschliche Gottesliebe bedeuten doch immer auch den Versuch der Heimkehr in die ursprüngliche Einheit und damit ist auch ein Abbau auf dieser Existenzebene der Vereinzelung verbunden. Der Weg dorthin führt dann aber über die echte Balance in der Mitte zwischen den Extremen.
Diese Balance kann man nur halten, wenn man frei ist in der eigenen Bewegung und Beweglichkeit – denn Balance kann in einer nicht-statischen Welt auch nichts Statisches sein…. Dass diese Freiheit zum Balance-Halten wirklich essentiell ist, kann jeder sofort nachvollziehen, der in der Fessel der Angst oder des Hasses versuchen will,, die Gleichgewichte im Leben in dieser Welt und Wirklichkeit zu halten – und sich dabei beobachtet. Ohne eigene Bewegungs-Freiheit ist ein Gleichgewicht, das diesen Namen verdient, schlicht nicht haltbar. Das sehe ich als den Haupt-Grund für den in uns allen tief verankerten Freiheitswillen. Er ist grundlegend legitim und unverzichtbar, individuell und gesellschaftlich. Dabei geht es nicht um „Revolution“, sondern um Überleben im Gleichgewicht…. (Und das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass historische Revolutionen, die dies Gleichgewicht nicht gesehen bzw. angestrebt haben, immer wieder so entsetzlich schief gegangen sind…)
Falls irgendwann die ursprüngliche Einheit wieder bewusst und damit auch die Relativität der Trennungen – auch nach einigen Symmetriebruch-Schritten – mehr oder weniger offensichtlich wird, folgt daraus unabweisbar die Erkenntnis, dass auch in der Liebe der ursprünglichen Einheit des schöpferischen Göttlichen dies Bewusstsein der Freiheit nicht eingeschränkt, sondern permanent und ubiquitär gewesen und immer weiter sein muss.
Ein solches Verständnis des uns alle verbindenden Göttlichen sollte man dann aber nicht mehr mit solchen Kategorien wie „gut“ oder „schlecht“ etikettieren. Es kann allenfalls schlicht als umfassend angesehen werden. Und dies unbedingt, auch hintergründig Verbundene bzw. Verbindende mag uns dann als liebevoll (s. Joh. 1,1 „Gott ist Liebe“) erscheinen, es ist jedoch nicht voraussetzungslos „freundlich“ im Sinne von immer den Status quo erhaltend bzw. aus unserere Sicht „verbessernd“. Denn aus unserer „normalen“ Sicht der Dinge sind nach den sicherlich mehreren Symmetriebruch-Schritten darin auch immer dynamische Strukturen – also Gesetze und Rhythmen und deshalb auch Grenzen erkennbar und zu beachten!
So verstanden, kann man dem Evangelisten Johannes durchaus zustimmen – ohne dabei in platte Verallgemeinerungen zu rutschen: ja, Gott ist Liebe, aber es gibt überall dort, wo Strukturen entstanden sind, auch deren gesetzmäßigen Zerfall. Und wo Güte spürbar ist, dort bzw. in dessen Umfeld gibt es auch auch (vielleicht sogar strenge) Regeln und daraus wieder folgend Zweifel und Verneinung. Dabei sind die jeweiligen Aspektpole immer und grundlegend durch rhythmische Schwingungsvorgänge miteinander verbunden. Doch müssen diese (mehr oder weniger extremen) Pole keineswegs räumlich und/oder zeitlich nah erscheinen – und doch sind und bleiben sie voneinander abhängig. Wer das wirklich akzeptiert hat, kann sich immerhin größere Teile des Weltgeschehens halbwegs erklären, wo sonst nur die mehr oder weniger willkürliche Aneinanderreihung von chaotisch-kryptischen Puzzlesteinchen mit der damit verbundenen Angst bliebe.
Also hat auch „das Böse“ als der andere Pol als Gegengewicht zum „Guten“ seine Aufgaben und Berechtigungen, ohne dass wir jedoch als Teilhaber des Lebens(prinzipes) aufgefordert wären, das Abbauende zu fördern. Vielmehr ist es als „zerstörerische, thermodynamisch wirksame Kraft der Entropie“ sowieso schon in den Gesetzen und Strukturen der Welt(en) und ihrer „Seinsebenen“ angelegt und auch nur in manchen Fällen durch bewusste Entscheidung und Mühe – das sind dann die „energieaufwendigen Kosten“ – vermeidbar bzw. verwandelbar. Ja, selbst das Lebensprinzip (als solches) muss sich durch energie-verbrauchende Prozesse (Homöostase) gegen den Zug der Entropie schützen. (s. die Rolle der Sonne als Energie-= Lebensspenderin und auch unsere Notwendigkeit, uns zu „ernähren“!)
Und noch etwas scheint mir in diesem Zusammenhang erwähnenswert: der natürliche Abbau (auch in den späteren Teilen unserer Lebensbögen) ist eigentlich gar nicht so „absichtsvoll boshaft“, wie er uns zuweilen erscheint. Nicht nur, dass ohne ihn vieles Neue in Erkenntnis und Akzeptanz gar nicht entstehen könnte … sondern sehr häufig ist unsere Angst vor ihm viel schlimmer als der eigentliche Prozess. Dieser Gedanke bzw. diese Einsicht ist oft wahrer und wesentlicher als wir einsehen wollen.
Aus den eben erwähnten Beobachtungen ergibt sich m.E. immerhin ziemlich zwanglos ein weitgehend ausgeglichenes Weltbild, dem ein entsprechend gleichmütiges Wahrnehmen und Interagieren nicht nur möglich, sondern auch ganz natürlich ist. Beobachten kann man das z.B. bei manchen Sterbenden, die die „Lebenssucht“ aufgegeben und in den Sterbeprozess innerlich eingewilligt haben. Damit will ich nicht sagen, dass wir uns alle vom Lebenswillen trennen sollten, aber zu verstehen, welche wahre Bedeutung und welche natürlichen Grenzen er für uns alle haben könnte, wenn wir ihn ohne Angst verstehen wollten, würde uns ein ganzes Stück weit helfen, ein geduldigeres, gütigeres und deshalb auch glücklicheres Leben zu führen.
Das ist also m.E. mit „spirituell motiviertem Gleichmut“ gemeint …
