Viele Menschen denken und handeln, ohne auf das Wohl der Mitmenschen und der Gemeinschaft zu achten. Manche sind auch gefangen in „Rache-Spiralen“. Die Motivationen sind vielfältig, die Folgen sind sehr oft …übrigens – meistens bei allen Beteiligten – (weitere) Schmerzen auf mindestens einer ihrer Daseins-Ebenen.
Doch welche Rolle spielt es letztlich, ob ein Täter aus persönlichem Hass, gierigen oder politischen Gründen anderen Menschen weh getan hat?
Ich will nicht behaupten, dass die Beweggründe des Täters unwichtig seien, aber würde der eine oder der andere Grund wirklich etwas an den konkreten Schmerzen und dem Schrecken der Opfer ändern? Für die Taten mögen vordergründige Motivation bzw. psychischer oder sogar körperlicher Gesundheitszustand entscheidend sein, für die Lösung der grundlegenden Frage, wie wir alle aus dem mehr als nur marginal verbreiteten Gewalt-denken aussteigen könnten, ist die Frage nach der „einzelnen, fall-bezogenen Schuld“ eher hinderlich.
Ob kleiner oder großer Dieb, ob auf privatem Rachefeldzug, obTerrorist oder dissoziierter Psychotiker, alle haben gewiss irgendeine Art von (z.T. heftiger) Schmerz- und Wutkarriere hinter sich. Wenn jemand ohne Bedenken raubt oder zuschlägt hat er kein Mitgefühl mit den Opfern und er hat wohl auch keine Einsicht in die Konsequenzen seiner Tat für ihn selbst. Aber beiderlei Mangel kommt nie aus dem Nichts – der Mangel hat Wurzeln in vielen, lange und viel häufiger als uns allen bewusst ist, immer wieder erlebten monomanen Entscheidungen der Umwelt dieser Menschen. D.h. die persönlichen Gründe, sich später so zu verhalten, liegen oft schon in der Kindheit der betreffenden Personen. Und da wir alle am besten am Vorbild lernen, wäre für mich die nächstliegende Frage, wie wir anderen mehr Frieden und mehr Verstehen vorleben könnten. In praktisch jeder Nachrichtensendung kommt mindestens eine Meldung, in der davon berichtet wird, wie Menschen anderen Menschen (oft sogar sehr) weh getan haben. Und wir wundern uns, wenn das Folgen im Denken und Fühlen dieser oft vorgeschädigten Mitmenschen hat?
Jeder von uns kennt das Erlebnis, an einen friedvollen Ort zu kommen, in eine Wohnung beispielsweise, in der Menschen schon lange friedlich miteinander leben. Das fühlt sich ganz anders an als ein Ort, an dem viel gestritten wurde. Sehr deutlich kann man das manchmal auf alten Schlachtfeldern spüren oder in Vernichtungslagern wie Buchenwald oder Auschwitz – sogar noch nach vielen Jahrzehnten.
Und das heißt doch etwas! Unsere Verhaltensweisen und Handlungen erzeugen ein durchaus spürbares und deshalb auch wirksames Feld. – Nein, das „Feld“ entschuldigt seinerseits keine der Schreckenstaten! Doch gilt auch, dass sie mittels „Urteil und Strafe“ eher selten wirklich geheilt werden. Denn Strafen sollen vermeiden und abschrecken. Aber die Angst, die damit erzeugt wird, ist durchaus nicht immer hilfreich, sondern behindert auch oft das tiefere Verstehen – „Was habe ich da (gerade) getan?“ Angst kann auch faszinieren oder Trotz bewirken und die Blickwinkel entsprechend einschränken. Das ist dann keine optimale Voraussetzung, um sich ganz bewusst zu machen, wohin man selbst steuert, also klar zu sehen, was man gerade tut bzw. tun will oder getan hat….und welche Folgen das hat bzw. haben wird.
Ein großer Teil des Schreckens bei uns anderen rührt daher, dass wir uns hilflos fühlen, wenn wir von solchen Taten hören. Und doch könnten wir alle sehr wohl etwas dafür tun, dass sich das Feld ändert. Dazu müssten wir uns nicht vergewaltigen, auch nicht in eine „Gutmenschen-Richtung“ zwingen – nur einfach mehr an den eigenen inneren Frieden denken, entspannt und vielleicht ein bisschen neugierig in friedliche Richtungen schauen statt zu verurteilen und dabei auf die nächste (schmerzhafte) Sensation zu warten…
